update ⚕ 12 – Rhythmus

Ute hatte eine sehr krisen- und schmerzhafte Nacht und einen ebensolchen Morgen. Am Morgen waren die Schmerzen so übermächtig, dass Ute die Krankenschwester und mich fragte, ob das jetzt das Sterben sei. „Ich bin so unruhig und verwirrt. Aber für mich ist das ja auch das erste Mal.“ Ich konnte gar nicht anders und habe laut aufgelacht, unglaublich diese Frau. Und dann gleich danach ihre wilde, auch verzweifelte Abwehr gegen den Gedanken des Sterbens und gegen das Gefühl, aus dem dieser Gedanke erwächst.

Ute IST ein so leidenschaftlicher Mensch und so geht sie auch in diese Konfrontation, lässt die Gedanken um das Sterben nicht aus, selbst im Dämmerzustand kommen manchmal Halbsätze als präzise Fragen und traumhafte Bilder über ihre Lippen. Sie lässt nicht locker. Hat sie Angst, hat sie unübersehbar Angst. Lacht sie, lacht sie mit dem ihr so eigenen frechen Unterton. Ist sie vorsichtig, ist ihre Zurückhaltung mit Händen zu greifen. Findet sie keine Sätze, stammelt sie. Ist sie großartig, ist sie verletzlich.

Im Laufe des Tages beruhigt sich die Situation. Bis auf wenige Unterbrechungen schläft oder döst Ute, man weiß es nicht so genau, unterstützt von den verabreichten Medikamenten. Am frühen Abend sind erste Gespräche möglich. Jetzt schläft sie. Sie atmet in einem gleichmäßigen, lebendigen Rhythmus.

[geschrieben von Christoph]

 

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