So viel gleichzeitig

Meine Gedanken kreisen. Tag- und Nacht-Gedanken eben. Hinter einem Schleier aus Müdigkeit wabern sie und sind doch auch manchmal ganz klar. Was sollte ich noch alles regeln? Wer soll was von mir bekommen? „Mit warmen Händen geben“ nannte und praktizierte meine Mutter das.

Kann man sterben lernen? Üben kann man es nicht. Das ist kein Spiel. Das ist ernst oder es ist nicht. Bei mir ist es ernst. So schnell hatte ich nicht damit gerechnet. Wie schnell eigentlich? Ich weiß nicht wie bald es soweit sein wird. Ich werde Entscheidungen treffen müssen. Nicht jetzt – alles zu seiner Zeit.

Heute ist ein wunderbarer Frühsommerabend. Im Nachbargarten fröhliches Lachen. Gleichzeitig braut sich ein Gewitter zusammen. Die Bäume rauschen, es stürmt. So viel gleichzeitig.

Ich freue mich auf morgen. Kinder, Enkel und mein Ehemann werden mich besuchen. Gleichzeitig habe ich Sorge, ob meine Kräfte reichen, ob Schmerzen und Übelkeit gute Begegnungen überhaupt zulassen. Und dann wabert durch dieses Gedanken-Müdigkeits-Rauschen ein altes Kirchenlied: Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt … was für eine gute Idee. Text und Melodie sind einfach da, suchen sich ihren Raum zwischen meinen Tag- und Nachtgedanken. Tun gut.

 

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