Auge in Auge
Der Himmelsstürmer. Ein documenta-Kunstwerk. Ein Mann, der mit scheinbar schnellen Schritten auf einem Strahl gen Himmel läuft. Heute waren wir beide wieder Auge in Auge. Zum dritten Mal, 5. Stockwerk, Wartezimmer der Radiologie.
Jedes Mal brachten meine Besuche in der Radiologie-Praxis, genaugenommen die CTs, die da gemacht werden, meinem Leben erschütternde Erkenntnisse. Poetisch ausgedrückt: Seit heute ‚stürme auch ich gen Himmel‘. Das scheint schneller zu gehen als gedacht. Zumindest hat der Krebs seit dem letzten CT ziemlich flott und aggressiv in mir gewirkt. Die Chemotherapien hatten nicht den erhofften Effekt.
Da mich Schmerzen und Übelkeit in den vergangenen Wochen, vor allem aber in den letzten Tagen, gepeinigt haben, trifft mich dieses Ergebnis nicht unerwartet. Und doch erschüttert es mich zutiefst.
Was nun? Ich weiß es nicht.
Ich will noch nicht gen Himmel stürmen. Will leben, lachen, lieben. Werde mich anpassen an die Gegebenheiten, irgendwie … schlucke Unmengen von Tabletten, die mir helfen sollen. Bin nicht alleine, das ist gut.
Lausche den Amseln.
Morgen ist ein neuer Tag.