ankommen

Nun bin ich also im Hospiz angekommen. Formal, äußerlich, für jede*n sichtbar. Manches ist anders. Im Krankenhaus waren die medizinischen Abläufe klar und reibungslos. Hier funktioniert auch alles, aber hier gibt es eben keine Ärzte vor Ort. Das mir bekannte und sehr geschätzte Ambulante Palliative-Care-Team übernimmt die ärztliche Betreuung. Aber das ist nur das Eine. Das Andere ist mein inneres Ankommen.

Ich spüre ganz deutlich, dass ich in eine nächste Phase eintrete. Meine Kräfte lassen weiter nach. Dagegen rebelliert es in mir. Ich will einfach nicht akzeptieren, geschweige denn verstehen, warum mein Körper sich so verhält wie er sich verhält. Ich bin zittrig, benötige Hilfe beim Aufstehen und Gehen. Denke oft an meine Eltern in ihren letzten Tagen. So weit bin ich doch noch nicht. Nein. Aber auch nicht mehr so weit weg. Mein Leitspruch „ich bin mehr als meine Erkrankung“ stimmt noch immer, aber die Erkrankung beansprucht viel von mir, greift nach meiner Persönlichkeit.

Wie geht es nun weiter? Im Hospiz warten auf den Tod? War es das? Und wenn, was wäre so schlimm daran? Noch lebe ich. Freue mich an meiner Lebendigkeit, an der schönen Zeit mit meinem Liebsten und mit meinen Besuchen, an dem leckeren Essen (zum Glück habe ich Appetit – nur das wieder Abführen ist weiterhin mühselig), schmiede sogar noch kleine Pläne.

Ich denke an Viktor Frankl, der der Meinung war, dass Leben unter allen Umständen lebenswert sei. Und ich habe hier im Hospiz denkbar gute Umstände. Und so versuche ich ganz und gar anzukommen. Innerlich und äußerlich. Vollständig.

[Das schrieb ich am 24. und 25. Juli 2025.]

 

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